Inflationäres Gehype

Mir ist aufgefallen, dass in unserer heutigen, eigentlich aufgeklärten Zeit, so vieles „gehyped“ wird, um mich direkt auch mal neumodisch und „in“ auszudrücken. Deswegen wollte ich eine kleine Liste zusammenstellen mit all den Dingen, bei denen ich denke, dass sie momentan ein wenig unbegründet so oft in den Meiden vorkommen oder von den Leuten in den Himmel (und darüber hinaus) gelobt werden. Diese Liste werde ich mit und mit erweitern, aber immer auf den aktuellen Stand halten.

Platz 1: Piratenpartei

Wer kennt sie nicht? Ich gehe mal davon aus: Alle. Zumindest, alle die gerade diesen Text lesen und somit ein wenig computer- und internetaffin sind. Die Blogs sind voll davon. Ausgezogen aus den PC-Kellern hat sich diese Partei (nicht ganz ungeschickt) eine Zielgruppe zu eigen gemacht, die eigentlich politisch inaktiv (szenesprache: nicht active) ist aber durch und durch bereit ist, die Spieleserver auch mal zu verlassen, wenn die Politik zu ihnen kommt, nämlich im Sinne von Urherberrecht, Datenschutz, usw.

Die Piratenpartei, die anscheinend ohne Widerstand den ehemaligen SPD-Abgeordneten Jörg Tauss mit offenen Armen aufgenommen hat, obwohl dieser zwecks „Eigenermitllung“ kinderpornographische Inhalte auf seiner Festplatte speicherte, liegt hier ganz klar auf Platz 1.

Ein guter Hypeindikator ist dabei die Grafik der Mitgliederentwicklung, man kann genau ablesen, wann der Hype startete und wie er sich entwickelte:

Dabei gibt es die Piratenpartei bereits seit 2006, der Hype drang allerdings erst zur Europawahl diesen Jahres zu mir durch, ein Schnittpunkt mit dem exponentiellen Anstieg der Mitglieder in Deutschland.

Geschätzte Hypedauer/Hypepeak: September 2009 (hoffentlich)

Platz 2: Hauptsache Apple

Egal was Apple macht, es kommt bei den Leuten an. Egal ob Ipods explodieren und Apple danach ein Schweigegeld anbietet – die Leute bleiben Fans. Man denke sich das Ausmaß an öffentllichem und medialem Aufschrei, wenn das gleiche mit Produkten von Microsoft passiere. Microsoft wird dabei gerne auch als „Micro$oft“ dargestellt, um gerissen darauf hinzuweisen, dass Microsoft eine kapitalistische Firma ist, der es nur um Geld gehe und sowieso. Quasi-Monopolstellung im Betriebssystemsektor und so. Alles schlimm. Dabei müsste mir bis heute entgangen sein, dass Apple eine gemeinnützige Firma ist?

Es ist einfach „in“ zu bloggen und dabei einen MacBook zu benutzen, egal, dass das Ding total überteuert ist und man auf dem Markt besser ausgestattete Produkte findet, egal, dass zukünftig Kompabilitätsprobleme auf einen warten – man kann ja einen Windowsemulator nutzen. Hauptsache die äußere Hülle erstrahlt in weiß und der Apfel prangert an der Rückwand. Das gleiche gilt für MP3-Player.

Oder das Iphone: Wie viele Leute haben sich einen Knebelvertrag beim völlig überteuerten ersten IPhone andrehen lassen um was zu bekommen: Ein technisch unterdurchschnittliches Produkt, dass nicht mal Videos aufnehmen oder MMS versenden konnte und eine sogenannte „Kill-Switch-Funktion“ besitzt, womit Apple nicht gewünschte Software beim Nutzer quasi aus der Zentrale heraus löschen kann. Eine Funktion, die eigentlich sehr unliebsam bei dieser Zielgruppe ist und bei Microsoft wohl zu großem Aufschrei geführt hätte.

geschätzt Hypedauer: unbekannt; vermutlich, bis es „out“ ist oder etwas hipperes auf den Markt kommt, ein Hersteller mit einer Birne oder so

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